Männliche Prediger prägen heute die salafistische Szene: Sie treten als „Szenegrößen“ auf und verbreiten ihr extremistisches Weltbild über Social-Media. Der Salafismus ist eine besonders fundamentalistische Strömung des Islamismus. Seine Vertreterinnen und Vertreter berufen sich auf die Frühzeit des Islam und behaupten, aktuelle Probleme ließen sich durch die Rückkehr zu einem vermeintlich „reinen Ur-Islam“ lösen.
Wie die Botschaft wirkt
• Plattformen wie YouTube, TikTok und Instagram sind zentrale Bühnen. In Videos beantworten Prediger Alltags- und Glaubensfragen oder sprechen umfassend über theologische sowie politische Themen – stets im Sinne ihrer Ideologie.
• Inhalte wirken niederschwellig: Buchtipps, „Erklärvideos“ zu Konflikten, scheinbar praktische Ratschläge. Tatsächlich wird die Welt in Gut und Böse geteilt – auch Musliminnen und Muslime, die demokratische Werte leben, werden abgewertet oder des Unglaubens bezichtigt.
• Der schnelle, pointierte Stil verschafft hohe Reichweiten und mitunter einen „Popstar-Status“. Das erleichtert den Schritt in die Offline-Welt.
Vom Feed auf die Bühne
Bekannte salafistische Prediger touren durch Moscheevereine in Deutschland und ziehen besonders junge Menschen an. In diesem geschützten Rahmen verbreiten sie ihre extremistischen Positionen – häufig nahe an der Grenze zur Strafbarkeit. Für Szeneangehörige ist die Botschaft eindeutig, für Außenstehende hingegen oft schwer zu erkennen: Viele Aussagen lassen mehrere Deutungen zu und wirken dadurch harmloser, als sie sind.
Warum das problematisch ist
• Extremistische Prediger bieten einen leichten Einstieg in die Szene, indem sie Themen aufgreifen, die junge Menschen bewegen: Umgang mit Andersgläubigen, der Nahostkonflikt, Schul- und Alltagsfragen.
• Nutzerinnen und Nutzer merken nicht immer, dass sie problematischen Content konsumieren – ein Risiko für schleichende Radikalisierung.
Woran Sie zweifelhafte Inhalte erkennen können
• Vermeintlich absolute Wahrheiten: „Nur dieser Weg ist richtig“ – ohne Raum für Diskussion oder Mehrdeutigkeiten.
• Abwertung und Ausgrenzung: Menschen werden pauschal als „Ungläubige“ oder „schlechte Muslime“ markiert.
• Freund–Feind Denken: Komplexe Konflikte werden auf simple Schuldzuweisungen reduziert.
Was Sie tun können
• Grenzen setzen: Problematische Inhalte nicht teilen – auch nicht „zur Warnung“ – und Meldefunktionen der Plattformen nutzen.
• Gespräch suchen: Mit Jugendlichen ruhig und respektvoll über Inhalte sprechen, statt zu moralisieren. Fragen stellen, Alternativen zeigen.
• Hilfe holen: Beratung und Unterstützung für Betroffene, Angehörige und Fachkräfte gibt es bei KODEX (Kompetenzzentrum für Deradikalisierung und Extremismusprävention im Land Bremen) sowie ADERO, der Fachstelle für religiös begründeten Extremismus
• Verdächtige Aktivitäten oder Radikalisierungstendenzen können Sie zudem dem Landesamt für Verfassungsschutz Bremen melden: office@lfv.bremen.de
Unser Auftrag
Das Landesamt für Verfassungsschutz Bremen beobachtet extremistische Bestrebungen, die sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richten. Wir informieren, klären auf und unterstützen Prävention – online wie offline.
Kontakt und Beratung
• Hinweise melden: vertraulich und auf Wunsch anonym.
• Präventionsangebote: Workshops, Informationsmaterial, Beratung für Schulen, Vereine und Eltern.
Wer früh hinschaut, schützt unsere Demokratie und unsere Freiheit. Wenn Ihnen online Predigten begegnen, die spalten, abwerten und einfache Antworten auf komplexe Fragen versprechen: Bleiben Sie kritisch – und sprechen Sie uns gerne an.
Warnung vor Phishing über Messengerdienste
Zunächst einmal- was bedeutet Phishing eigentlich genau?
Phishing kommt vom englischen Wort „fishing" (Angeln) – die Schreibweise mit „Ph" ist ein Slangwort aus der Welt der Hacker.
Beim Phishing versucht jemand, Sie durch Täuschung dazu zu bringen, freiwillig sensible Informationen preiszugeben – zum Beispiel Passwörter, PINs oder persönliche Daten. Die Angreifer „angeln" also nach Ihren Daten, indem sie sich als jemand ausgeben, dem Sie vertrauen. Zum Beispiel einem angeblichen technischen Support-Team eines Messengerdienstes wie zum Beispiel Signal.
Die Nachrichten wirken oft täuschend echt und erzeugen absichtlich Druck und Dringlichkeit („Handeln Sie sofort!", „Ihr Konto wird gesperrt!"), damit Sie erst gar nicht lange nachdenken.
Die Akteure behaupten, dass ein akutes Sicherheitsproblem bestünde und ohne sofortiges Handeln z.B. der Verlust aller Daten drohe. Wer daraufhin z.B. seine Signal-PIN preisgibt, ermöglicht den Angreifern, das eigene Konto auf einem fremden Gerät zu übernehmen.
In der aktuell identifizierten Kampagne eines wahrscheinlich staatliche gesteuerten Cyberakteurs stehen bislang vor allem Personen aus Politik, dem Militär, der Diplomatie und dem Journalismus im Visier – aber vergleichbare Angriffe können jeden treffen.
Weitere Informationen finden Sie unter folgenden Links beim Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik in Abstimmung mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz:
Gemeinsamer Sicherheitshinweis (BfV und BSI) - Phishing über Messengerdienste
Phishing über Messengerdienste, insbesondere Signal
Handlungsleitfaden bei Phishing über den Signal Support